Maingold

ich will ins maingold. zum frühstück. mit meiner familie. ich mache die tür von außen auf. mir kommt wer entgegen und dass es kein gedrängel gibt lasse ich ihn und die folgenden drei Personen durch. keiner dankt. komisch, denke ich mir. selbst in berlin hätte von vier personen mindestens eine halbe person mir ein flüchtiges nicken geschenkt. nee, ich ärger mich nicht. ich koche innerlich.

der laden ist chic. besonders die bilder an den wänden gefallen mir.

beim verlassen folgen mir zwei personen. eine frau. ein mann. wieder ich. ich halte die tür auf. wieder kein dank. diesmal reagiere ich schnell. mit meinem linken handrücken gebe ich ihr einen klaps auf den po und greife mit derselben hand herzhaft in seinen schritt. während ich aus meiner rechten hand die tür fallen lassen murmle ich leise ein „frankfurter schnösel“ und schere damit gleich auch alle freundlichen frankfurter über einen kamm.

| Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

danke für die erklärung

wir sitzen am frühstückstisch. sonntagsfrühstück. gekochtes ei. rührei. bacon. brötchen und diverser aufschnitt. an einem donnerstag.

sie erzählt von ihrer arbeit im manhattan.

„wieder ein besoffener kerl. der sich beschwert, dass 3,5 eur zu viel sind. zu viel für einen cuba libre. willst du was von mir oder ich von dir?

ich meine, will er was von mir oder ich von ihm?“

wo? wer? was? wieso?

Veröffentlicht unter daily shit | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen

Intermezzo

die braune papiertüte in meiner hand. ich öffne sie. drin – wie erwartet – eine pistole. hier sind waffen im spiel, denke ich mir.

Sie liegt schwer in meiner Hand. Entsichere sie, ziele und eine Ratte muss dran glauben. Ich verkohle die Ratte und lege sie einem Penner, der zuviel getrunken hat in den Mund.

Wer bin ich? Ich bin nicht der gestiefelte Penner. Zum Glück, sonst hätte ich jetzt eine Ratte im Mund.

ich lache laut und mir entweicht ein grunzen. der penner wacht auf und schaut mich mit großen augen an. na und? sage ich und gehe pfeifend weg. verdammt ist das schwül und heiß. es beginnt zu regnen und langsam durchweicht mein leinenhemd. ich ziehe den hut tiefer ins gesicht.

In meiner Jackentasche kribbeln meine Finger und streicheln den Lauf. Die Ratte wird nicht die einzige sein. Nein. Am Fluss entlang. Wo ist John?

meine mutter sagte, ich sei der einzige. meine mutter sagte, sei immer ein guter junge. sie sagte, spiele niemals mit pistolen. wo ist die moral, wenn man sie braucht? wo die mutti? vielleicht finde ich sie auf dem boden des fasses. doch das fass ist bodenlos. fassungslos stehe ich da. und spüre den boden unter den füßen nicht mehr.

scheiße passiert.

Ich ziehe die Pistole, ziele auf eine Passantin. Sie schreit, ich lache. Sie erbleicht vor Schreck, ist erstarrt, läuft nicht weg. Besser für sie, will sie nicht wie die Ratte enden.

Ich höre ein Rascheln, einen Schuss. Ich knicke ein, den nächsten Schuss höre ich nicht mehr.

Ich schreie. Schreie. Schreie. Es ist dunkel, ich kann nicht atmen. Mir sitzt etwas auf der Brust. Seine Augäpfel sind riesig, er schaut mich an. Ich habe Angst, keinen Muskel kann ich bewegen.

da ist er also. john. jooooohn. ich dachte, du wärst mein freund. denke ich. und als hätte er mich denken gehört, sagt er, ich denke, du hast keine freunde. selbst deine mutter hat dich verstoßen. du hast wohl einmal zu oft ihr eine tote ratte ins bett gelegt.

Tote Ratte, tote Ratte. JOOOOOOHN! Was? Nein!!!! Ich will noch nicht sterben. Ich will leben. Nein!

Der kleine Finger, streng dich an. Beweg den kleinen Finger, nur ein kleines Stück. Einen Millimeter. Die Muskelstarre löst sich. Mit dem kleinen Finger stoße ich in den Augapfel. Es spritzt. Blut. ein Schrei. Stoße ihn von mir, den alten Penner. Prügel auf ihn ein bis er am Boden liegt, trete weiter und weiter. John zuckt, wehrt sich nicht mehr. Er stirbt. Jeder stirbt für sich allein.

außer mir. so hoffe ich.

| Kommentar hinterlassen

Kater?!

Die Worte fügen sich erst auf dem Bildschirm zu Sätzen. Der Kopf ist schwer, der Kater will noch nicht von meiner Seite weichen.

    Gesoffen, getrunken, geraucht. Die Worte formen sich in den Fingerspitzen, laufen auf der Tastatur, klick klick, hack hack. Klick klick, hack hack… Den Tag im Bett verlümmelt, Filme geschaut, Cola getrunken und Pizza gegessen und schlimm gelitten am fiesen, miesen Kater. 

Kater, Kater! Weich doch von meiner Seite!

   Welch weiches Fell du hattest als du dich gestern Nacht ganz leis und sachte auf Samtpfoten angeschlichen hast. Umstrichen, Mal um Mal hast Du mich, und geschnurrt bis ich eingeschlafen bin. Im Schlaf bist Du nicht von meiner Seite gewichen.

Doch kaum tat ich ein Äuglein auf hast du mich angesprungen und eine verkohlte Ratte in meinen Mund gelegt und wieder und wieder nach mir gehakt – du böser, böser Kater. 

Du launisches Katzentier! Reich mir doch bitte ein Stützbier!

| Kommentar hinterlassen

underneath it all

kleide dich, wie du willst.

sag, was du willst.

denke, was du willst

bin ich es, der mich aus dem spiegel anschaut? stehe ich mir gegenüber oder im weg?

ich finde mich wieder. auf einer hochzeit. auf deiner hochzeit. und nicht ich stehe neben dir. sondern ein schwarzer frack. ich im anzug. auf einer bank. es weht ein wind. die sonnenbrille verdeckt mein herz. irgendetwas läuft hier falsch. schon alleine, dass ich das erst jetzt merke, ist sowas von falsch.

hat jemand etwas einzuwenden, fragt der pastor. ich, will ich noch sagen und merke, dass ich neben mir stehe.

| Kommentar hinterlassen

Kinder Joy

Mit Freunden essen, bevor wir gehen. Echten Freunden. Keine Netz-Freunde. Während ich gespannt bin wie ein Flitzebogen, wie sich das Wort „Freund“ in den nachfolgenden Generationen definiert und ob mein echter Freund eine der Brautjungfern auf meiner Hochzeit bumst, stellt sich meine Begleitung die Frage, ob ich überhaupt jemals heiraten werde. Sie sagt, ich sterbe allein: du, mein lieber, stirbst allein. Ich nicke. Wische mir die Rotwein-Bolognese aus dem Bart. Betrachte die Farben. Schmatze noch ein Mal laut und wir stürzen kurz darauf aus dem Haus. Ich merke das Meskalin und breche gekonnt an die Außenwand des Ostbahnhofes. Zug nach Hannover erwischt und ab geht die wilde Fahrt. M+A haben uns Kinder Joy mitgegeben. Perverser Name, versuche ich noch auszusprechen, da unterbricht mich die Schaffnerin. Is dit n Frühstücksei? Nee, sag ich, in Anbetracht dessen, dass die Uhr Dreiviertel Zehn zeigt nicht. Eher ein Gute-Nacht-Ei. Aber DIT is eh keen Ei. DIT is Kinder Joy.

| Kommentar hinterlassen

Eine Geschichte, die ich hörte

    • es fand gestern statt. er, ein netter, bodenständiger typ, dessen ex aber leider immer noch pseudomäßig bei ihm wohnt

    • sie, eine schwierige, emotional verkrüppelte person

    • getränk: apfelschorle

    • gespräch: sehr stockend, viele pausen, peinlich berührte blicke

    • wetter: regen

    • nach drinnen gewechselt, gott sei dank lief fußball

      sie, absolut kein fussball fan, an diesem abend dankbar für jedes einzelne em spiel

    • beide gucken oft zum tv um stille zu überbrücken

    • es sollte ein essen geben, beide lehnen ab

    • gespäche über exen und nicht vorhandene hobbies

    • beide gucken auf ihre handies

    • nach zwei stunden die erlösung

    • das ende war jedenfalls: die typische sms am späteren abend von wegen „es hat mir sehr gefallen, ein schöner abend usw“

    • was antwortet man da bitte drauf ohne unhöflich zu sein

    • oder antwortet man nicht und ist somit automatisch unhöflich?

    • ein dezentes „fick dich“ vielleicht?

    • die ausdrücke versuche ich zu vermeiden

    • nein, bloß antworten.

    • nur was?

    • hmhmhmhmh

    • nehmen wir mal an sie hätte gemogelt und aus höflichkeit was nettes geantwortet

    • nennen wir sie mal einfach lisa

    • lisa also: danke, fand ich auch

    • und nehmen wir dann mal an peter (oder so) hätte gleich morgens schon wieder geschrieben

    • man könnne ja nochmal essen gehen oder ähnliches (natürlich schöner formuliert)

      was macht lisa dann bitte

      na denn schreibt lisa: oh, sehr nett und gerne, aber ich habe mir vorgenommen in den nächsten jahren nichts mehr zu essen.

    • haha ob peter lisa das glaubt?!

    • jedenfalls hat lisa ein echtes problem

| Kommentar hinterlassen